Filmabend "City-Sinfonien III - zergliederte Zeit"
Rekonstruktion dreier historischer Filmabende des Bauhauses in Dessau (Abend 3)
Termin | 27.06.2009
19.30 Uhr | Dauer der Filme insgesamt: 79 Minuten | Kino im "mon ami" Weimar, Goetheplatz 11
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Eine der sicher rekonstruierbaren Filmvorführungen am Bauhaus in Dessau fand am 10. Juni 1929 statt. Der sowjetische Filmpionier Dziga Vertov führte persönlich seinen Film Der Mann mit der Kamera (Tschelowek s kinoapparatom, SU 1929, 64’) ein und notierte: "Vortrag im Bauhaus. Riesiges Gebäude ganz aus Glas. Eine Schule für bildende Künste, entworfen vom Architekten Gropius. Vortrag und Film wurden mit außergewöhnlichem Enthusiasmus aufgenommen. Unter den jungen Leuten einige Kommunisten, die ausführlich über den zukünftigen Aufbau der Sowjetunion berichteten."
Tatsächlich ist am Bauhaus eine Ortsgruppe des kommunistisch orientierten "Volksfilmverbandes" tätig. Moholy-Nagy erweist sich als engagierter Anhänger von Vertovs Film: "Ich schätze Vertov sehr", sagte Moholy-Nagy, "und zwar darum, weil seine Schöpfungen wesentlich dazu beitragen, den Menschen neue Erkenntnisse, ein neues Sichauskennen in raumzeitlichen Konzeptionen zu vermitteln. Er gehört zu jenen Schaffenden, die sensuelle Brücken zu den ganz großen Begriffsbestimmungen schlagen, die in der heutigen Kultur schon vorliegen." Und Moholy-Nagy spricht davon, welch ein ungewöhnlich tiefes Erlebnis für ihn der Film Der Mann mit der Kamera bedeutete. Der Film, in dem zum ersten Male der Versuch gemacht worden sei, die Zeit real zu zergliedern, die Zeit als Material zu verwenden. Die Verschiebungen der räumlichen und zeitlichen Bestandteile in diesem Film: eine unerhörte, beglückende Bereicherung der Vorstellungswelt.
In Vertovs virtuos montierten Der Mann mit der Kamera ist der Filmapparat der eigentliche Held des Films. Wir spüren, dass die Kamera sich in den Straßen herumtreiben will, neugierig den unterschiedlichsten Phänomenen des Neuen Russlands nachspürt. Zugleich problematisiert er das feine Verhältnis zwischen Wirklichkeit, wahrgenommener Wirklichkeit und gefilmter Wirklichkeit.
Vorfilm: Sascha Hardt setzt in seiner Interpretation Dynamik der Großstadt (D 1988, 15’) Moholy-Nagys Skizze zu einem Filmmanuskript als Videomontage aus Selbstgefilmtem und Filmsamples um (Kamera: Herbert Twardy, Musik: Jörg Lensing).
Einführung
Thomas Tode, Hamburg (Filmwissenschaftler und Filmemacher)
Thomas Tode ist auch Kurator der Filmreihe "Bauhaus und Film".
Live-Musik
Studierende der Hochschule für Musik Franz Liszt, Weimar
veröffentlicht: 20.05.2009 | AKT
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